Farbschläge

Wilde Wellensittiche in Australien haben ein gelbes Gesicht, einen grün gefiederten Körper mit schwarzer Wellenzeichnung und blauschwarze Schwanzfedern. Damit sind sie in der australischen Landschaft optimal vor Fressfeinden getarnt. Durch genetische Mutation können Wellensittiche aber auch andere Farbschläge aufweisen. In der australischen Landschaft sind nicht-grüne Wellensittiche allerdings leichte Beute und haben kaum Überlebenschancen.

Wellensittiche Farbschläge
Wellensittiche in unterschiedlichen Farbschlägen von anna saccheri from Palo Alto, United States (Budgies everywhere!) [CC BY-SA 2.0 ], via Wikimedia Commons

Entstehung der Farbschläge

Als Farbschläge werden die Farbvariationen des Wellensittich-Gefieders bezeichnet.

Im 19. Jahrhundert schlüpften in Europa als Nachkommen der aus Australien importierten wilden Wellensittiche die ersten gelben und blauen Wellensittiche durch spontane Farbmutation. Aufgrund ihrer Gefangenschaft hatten diese “bunten” Wellensittiche keine Fressfeinde und konnten sich weiter vermehren. Gleichzeitig begannen Züchter damit, gezielt weitere Farbvariationen zu erzeugen. Inzwischen gibt es über einhundert Farbschläge von Wellensittichen.

Die Beschreibung des Farbschlags setzt sich im Wesentlichen aus der Farbreihe (grün oder blau) und den weiteren Gefiedermerkmalen (Wellenzeichnung, Farbaufhellungen, Farbausfälle) zusammen.

Farbschläge: Grünreihe und Blaureihe

Grünreihe und Blaureihe Farbschläge
Grünreihe und Blaureihe von Eric Kilby from USA (Parakeet KissUploaded by Snowmanradio) [CC BY-SA 2.0 ], via Wikimedia Commons
Bei Wellensittichen gibt es zwei Farbreihen: die Grünreihe und die Blaureihe. Das bedeutet, dass die Farbe des Körpergefieders (das ist der Bereich von der Brust bis zum Bauch und der Bereich unter den Schwungfedern) grün oder blau ist bzw. sich auf grün oder blau als Grundfarbe zurückführen lässt.

Das Pigment Melanin ist für die braunen, schwarzen, grauen und anderen dunklen Farbtöne und für die blaue Farbe verantwortlich. Das Pigment Psittacin liefert die gelbe Farbe.

Die grüne Farbe des Körpergefieders ergibt sich somit  aus der Überlagerung von Blau und Gelb. Die gelbe Farbe des Kopfgefieders wird ausschließlich vom gelben Gefiederfarbstoff Psittacin bestimmt, da es im Kopfgefieder kein Melanin gibt. Wellensittiche, denen das Psittacin fehlt, sind blau-weiß oder grau.

Olivgrünes Wellensittich-Männchen mit zwei Dunkelfaktoren
Olivgrünes Wellensittich-Männchen mit zwei Dunkelfaktoren

Die Helligkeit der Körperfarbe wird durch den sogenannten Dunkelfaktor bestimmt. Wellensittiche können einen oder zwei Dunkelfaktoren oder aber keinen Dunkelfaktor haben. Daraus ergeben sich für jede Farbreihe jeweils drei Farbtöne:

  • hellgrün/hellblau (kein Dunkelfaktor)

  • dunkelgrün/dunkelblau (ein Dunkelfaktor)

  • olivgrün/mauve (2 Dunkelfaktoren)

Wilde Wellensittiche sind hellgrün, d.h. sie haben keinen Dunkelfaktor.

Durch die Farb-Zusatzfaktoren Grau und Violett können auch weitere Farbnuancen entstehen. Der Zusatzfaktor Grau bewirkt, dass ein blauer Wellensittich eine graue Färbung bekommt und ein grüner Wellensittich graugrün erscheint. Durch den Zusatzfaktor Violett verdunkelt sich die Körperfarbe des Wellensittichs. Nur dunkelblaue Vögeln werden dadurch aber sichtbar violett.

Weitere Gefiedermerkmale

Zu den weiteren Gefiedermerkmalen gehören das als normal bezeichnete Erscheinungsbild des Gefieders des wilden Wellensittichs sowie sämtliche Abweichungen von diesem Normalbild.

Wellensittich-Männchen ohne besondere Gefiedermerkmale
Wellensittich-Männchen ohne besondere Gefiedermerkmale

Beim Normalbild zieht sich die Wellenzeichnung vom Hinterkopf über den Nacken und den Rücken. Die in das Federkleid gezeichneten Wellen sind schwarz. Die Flugfedern sind in der Grundfarbe ebenfalls schwarz und haben am Rand eine helle Säumung. Abweichungen von diesem Normalbild können durch Farbaufhellungen, andere Wellenzeichnungen oder Farbausfälle zustande kommen. Für Wellensittiche, deren Gefieder optisch von diesem Normalbild abweicht, haben sich deshalb bestimmte Bezeichnungen eingebürgert:

Zimter sind Wellensittiche, deren Wellenzeichnung bräunlich erscheint.

Hellflügel haben stark aufgehellte Wellen.

Bei Grauflügeln sind die Gefiederfarbe und die Wellenzeichnung stark aufgehellt.

Wellensittiche, bei denen die Federn am Rand dunkel gesäumt sind, werden als Spangle bezeichnet.

Opalin ist ein Wellensittich, wenn er nur wenige oder gar keine Wellen auf dem Hinterkopf, Nacken und Rücken hat und sich die schwarze Wellenzeichnung somit auf die Flügel beschränkt.

Albino und Lutino Farbschläge
Von Jhwodchuck at English Wikipedia [Public domain], via Wikimedia Commons
Albinos sind weiße Wellensittiche mit roten Augen. Sie haben gar keine Farbpigmente.

Lutinos sind gelbe Wellensittiche mit roten Augen. Im Unterschied zu Albinos haben sie zumindest den gelben Gefiederfarbstoff Psittacin. Albinos und Lutinos werden oft unter dem Obergriff Inos zusammengefasst.

Gelbgesichter sind blaue oder graue Wellensittiche mit gelber Maske (Gesicht) und gelb angehauchtem blauen Körpergefieder.

Schwarzaugen sind weiße bzw. gelbe Wellensittiche mit schwarzen Augen.

Rezessive Schecken sind Wellensittiche, die an einigen Körperstellen keine Farbpigmente haben und dort gelb bzw. weiß aufgehellt sind. Wenn ihnen die Pigmente am gesamten Körper fehlen, dann unterscheiden sie sich von den Albinos nur durch ihre schwarzen Augen. Australische Schecken Wellensittiche, die gelbe oder weiße Flecken auf der grünen bzw. blauen Grundfarbe haben oder bei denen sich ein ein helles Band über den Bauch zieht.

Rainbow-Wellensittiche

Rainbow-Wellensittiche sind Wellensittiche, deren Gefieder an die Farben des Regenbogens erinnert. Es sind Wellensittiche der Blaureihe, die zusätzlich die Merkmale Hellflügel, Opalin und ein Gelbgesicht aufweisen.

Rainbow-Wellensittiche sind ein sehr beliebtes Zuchtziel. Manche Züchter haben sich sogar auf die Nachzucht von Rainbow-Wellensittichen spezialisiert. Durch die intensive Zucht gelten Rainbow-Wellensittiche inzwischen noch mehr als andere Hauswellensittiche als überzüchtet und krankheitsanfällig.