Paarhaltung und Schwarmhaltung

Wellensittiche sind sehr verträgliche Vögel, die sich mit ihren Artgenossen in den meisten Fällen gut verstehen. Neuzugänge integrieren sich im Normalfall schnell in bestehende Wellensittichgruppen – vor allem, wenn es sich um Schwärme mit mehr als sechs Vögeln handelt. Bei kleineren Gruppen sollten Sie ein paar Punkte beachten, um das Risiko von Streitereien und Rivalitäten zu minimieren.

Verliebtes Wellensittich-Paerchen
Verliebtes Wellensittich-Pärchen
von cuatrok77 [CC BY-SA 2.0 ], via Flickr

Paarhaltung

Wenn Sie zwei Wellensittiche halten wollen, können Sie ein Männchen und ein Weibchen oder aber zwei Männchen zusammen halten. Nur zwei Weibchen sollten Sie nicht zusammen halten, da  Weibchen untereinander oft nicht harmonieren und sich Streitereien liefern, die zu bösen Verletzungen führen können.

Schwarmhaltung

Wenn Sie mehr Wellensittiche halten wollen, dann sollten Sie bei bis zu sechs Wellensittichen auf ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis achten. In einem Schwarm von 4 Wellensittichen wären das zwei Männchen und zwei Weibchen, und in einem 6er-Schwarm dementsprechend drei Männchen und drei Weibchen. So stellen Sie sicher, dass zumindest theoretisch für jedes Männchen ein Weibchen und für jedes Weibchen ein Männchen zur Verfügung steht, was die Wahrscheinlichkeit einer Rivalität der Männchen um ein Weibchen bzw. der Weibchen um ein Männchen erheblich reduziert.

Vermeiden sollten Sie die Haltung von drei oder fünf Wellensittichen – egal in welcher Geschlechterzusammensetzung, da es in solchen Gruppen leicht passieren kann, dass ein Wellensittich ausgeschlossen oder als Rivale angesehen wird, sobald sich die anderen zu Pärchen zusammenschließen.

Bei mehr als sechs Wellensittichen ist es erfahrungsgemäß nicht mehr so wichtig, ob es sich um eine gerade oder ungerade Zahl handelt und ob es gleich viele Männchen wie Weibchen gibt.

Echtes Schwarmleben kann sich erst in einer Wellensittichgruppe von mindestens sechs Vögeln entfalten, da in solchen Gruppen jeder Vogel genug Kontaktmöglichkeiten zu anderen Vögeln hat und Vögel, die einander nicht mögen, sich aus dem Weg gehen können.

Das Alter bei der Anschaffung

Wenn Sie neu mit der Wellensittichhaltung anfangen, steht es Ihnen völlig frei, sich für Jungvögel oder ältere Vögel zu entscheiden. Wichtig ist vor allem, dass der Altersunterschied innerhalb Ihrer Wellensittichgruppe nicht zu groß ist. Bis zu zwei Jahre Altersdifferenz ist aber im Normalfall kein Problem. Bei großen Altersunterschieden kann es passieren, dass in der Gruppe zu viel Spannung entsteht, weil zum Beispiel ruhebedürftige ältere Vögel sich von quirlingen Jungvögeln gestresst fühlen.

Jungvögel müssen bei der Abgabe mindestens acht Wochen alt  und somit futterfest sein. Noch jüngere Vögel können möglicherweise noch nicht völig selbständig fressen und würden Ihnen in ihrem neuen Zuhause verhungern.

Das Alter von Wellensittichen lässt nur in den ersten Lebensmonaten feststellen, bevor der Wellensittich in die Jugendmauser kommt. Nach der Jugendmauser sind die typischen Zeichen eines Jungvogels (Wellenzeichnung bis zur Stirn, schwarze Knopfaugen ohne weißen Irisring) verschwunden, und man kann am Vogel selbst das Alter nicht mehr erkennen. Einen Hinweis auf das Alter kann dann nur noch ein eventuell vorhandener Fußring geben, der von Züchtern, die über eine amtliche Zuchtgenehmigung verfügen, Jungvögeln in den ersten Tagen nach dem Schlupf angelegt werden darf. Allerdings werden seit der Abschaffung der Zuchtgenehmigung und damit auch der Ringpflicht in Deutschland im Jahr 2014 immer weniger Wellensittiche beringt.

Geschlechtsbestimmung bei der Anschaffung

Um ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis in Ihrer Wellensittichgruppe zu gewährleisten, sollten Sie bei der Anschaffung darauf achten, dass die Ihnen verkauften Männchen auch wirklich männlich und die Weibchen auch wirklich weiblich sind.

Bei Wellensittichen, die die Jugendmauser hinter sich haben, ist das bei den meisten Farbschlägen recht einfach zu erkennen: Männchen haben eine blaue Wachshaut, Weibchen haben eine braune Wachshaut.

Bei Jungvögeln vor der Jugendmauser gilt diese Grundregel noch nicht. Insbesondere qualifizierte Züchter sollten aber in der Lage sein, das Geschlecht von Jungvögeln schon vorherzusagen und auch das Geschlecht von Wellensittichen aus speziellen Farbschlägen zu erkennen. Da die Angestellten in Zoohandlungen sich aber oft nicht so gut auskennen, werden unwissenden Kunden des Öfteren junge Männchen als Weibchen und junge Weibchen als Männchen verkauft. In der Folge stimmt dann das Geschlechterverhältnis in der Wellensittichgruppe zu Hause nicht, und die Halter müssen sich überlegen, ob sie weitere Wellensittiche aufnehmen, um ein Geschlechtergleichgewicht herzustellen.

Einzelheiten hierzu können Sie im Kapitel Geschlechtsbestimmung nachlesen.

Die Entscheidung für eine Farbe bei der Anschaffung

Die ursprüngliche Farbe der Wellensittiche ist grün-gelb. Alle anderen Farben sind Züchtungen, die in der Natur nicht vorkommen. Für die Haltung von Wellensittichen als Heimtiere spielt die Farbe insofern keine Rolle, als Wellensittiche aller Farbschläge einander akzeptieren und miteinander auch Partnerschaften eingehen.

Obwohl Wellensittiche heutzutage allgemein schon als stark überzüchtet gelten, gelten einzelne Farbschläge bzw. Farbkombinationen wie zum Beispiel Rainbows als extrem überzüchtet und insofern auch als besonders krankheitsanfällig.

Einzelheiten hierzu können Sie im Kapitel Farbschläge nachlesen.