Mauser

Federn im fertigen Zustand sind leblose Strukturen aus totem Hornmaterial, dem Keratin. Sie können sich nicht regenerieren, wenn sie sich abgenutzt haben oder beschädigt wurden. Deshalb werden alte Federn vom Körper abgestoßen und durch neu nachwachsende Federn ersetzt. Dieser Federwechsel wird als Mauser bezeichnet.

Wellensittiche Mauser
Mausernde Wellensittiche hinterlassen viele Federn auf dem Boden

Dauer der Mauser

Wellensittiche wechseln nie alle Federn gleichzeitig, sondern erneuern zu  einem gegebenen Zeitpunkt immer nur bestimmte Teile ihres Gefieders,  so dass ihre Flugfähigkeit erhalten bleibt. Ein Mauservorgang dauert rund drei Wochen. Dann sind zumindest die kleinen Federn auch schon nachgewachsen. Die längeren Schwungfedern brauchen etwa vier bis sechs Wochen, bis sie ihre volle Länge erreicht haben, die langen Schwanzfedern brauchen sogar zwei Monate. Der komplette Gefiederwechsel (Mauserzyklus) dauert etwa neun Monate.

Die Mauser ist bei Wellensittichen nicht an eine bestimmte Jahreszeit gebunden. Wilde Wellensittiche in Australien richten ihre Mauser aber üblicherweise so ein, dass sie außerhalb der Brutzeit liegt. Auch bei den in Gefangenschaft lebenden Hauswellensittichen ist die Mauser weitgehend unabhängig von den Jahreszeiten.

Verlauf der Mauser

Die Mauserprozess verläuft so, dass sich im ersten Schritt eine alte Feder aus dem Gewebe lockert und schließlich ausfällt.  Wellensittiche helfen dabei auch nach, indem sie mit dem Schnabel lockere Federn aus ihrem Gefieder herauszupfen. Kurz darauf wächst an der Stelle, an der die alte Feder ausgefallen ist, eine neue Feder aus der Haut.

Die neuen Federn stecken zu Anfang in einer weißlichen Federhülle und sind stark durchblutet, weshalb sie auch als Blutkiele bezeichnet werden.  Über das Blut wird die junge Feder mit den Nährstoffen versorgt, die sie zum Wachsen braucht. Je weiter der Wachstumsprozess voranschreitet, desto geringer wird die Blutversorgung und umso mehr bilden sich die Blutgefäße zurück. Die fertige Feder hat gar keine Blutgefäße mehr und ist im unteren Schaft hohl.

Die Mauser ist für Wellensittiche sehr anstrengend, da der Körper viel Energie für die Bildung der neuen Federn aufwenden muss. Gesunde Vögel überstehen die Mauser normalerweise problemlos, sind aber in dieser Zeit in der Regel ruhiger und nicht brutlustig. Ältere, geschwächte und kranke Wellensittiche können unter der Mauser sehr leiden und sind in dieser Zeit besonders anfällig für Bakterien, Viren und Parasiten, da das Immunsystem durch die Mauser geschwächt ist.

Sonderformen der Mauser

Zu den Sonderformen der Mauser zählen die Jugendmauser, die Schockmauser und die Stockmauser

Die Jugendmauser ist die erste Mauser im Leben eines jungen Wellensittichs. Sie findet zwischen dem dritten und siebten Lebensmonat statt. In dieser Zeit wechseln Wellensittiche ihr Gefieder einmal komplett. Dabei zieht sich auch die Wellenzeichnung, die bei Jungvögeln bis an die Wachshaut reicht, bis an den Hinterkopf zurück, die Irisringe um die Pupillen werden sichtbar und  die Wellensittiche werden geschlechtsreif.

Bei der Schockmauser wirft ein Wellensittich blitzschnell seine Schwanzfedern und manchmal auch einen Teil seines Kleingefieders ab, um sich aus dem Griff eines Beutetiers zu befreien und sein Leben zu retten. Das Beutetier bleibt dann mit den Federn im Maul zurück, während der Wellensittich davonfliegt. Um bei einer Schockmauser noch davonfliegen zu können, wirft ein Wellensittich bei einer Schockmauser nie seine Schwungfedern ab. Die abgeworfenen Federn wachsen normal nach.

Bei der Stockmauser dauert die natürliche Mauser eines Wellensittichs länger als normal: sie gerät im wahrsten Sinne des Wortes ins Stocken. Das sieht man daran, dass neue Federn in ihren Schäften steckenbleiben und das ganze Gefieder eher matt und unordentlich wirkt. Ursachen für eine Stockmauser sind zum Beispiel Krankheiten, Stress, hormonelle Probleme oder schlechte Ernährung.