Körperbau

Wellensittiche sind mit ihrem Körperbau und ihren Körperfunktionen perfekt an das Leben in ihrer Heimat Australien angepasst. Sie haben im Verhältnis zu ihrer Körpergröße ein geringes Gewicht, ein effizientes Atmungssystem, eine kräftige Muskulatur und ein sich ständig erneuerndes Gefieder. Damit können sie in der kargen australischen Landschaft auf der Suche nach Nahrung und Wasser weite Strecken fliegen.

Wellensittichschwarm in Australien
Wellensittichschwarm in Australien
von Jim Bendon from Karratha, Australia (budgies_5) [CC BY-SA 2.0], via Wikimedia Commons
Jeder Wellensittichhalter sollte in etwa wissen, wie der Körper eines Wellensittichs aufgebaut ist und funktioniert. Das macht es leichter, die Grundbedürfnisse der als Haustiere gehaltenen Wellensittiche zu erfüllen, Haltungsfehler zu vermeiden, Krankheiten frühzeitig zu erkennen und beim Anruf in einer Tierarztpraxis Krankheitssymptome oder Verletzungen korrekt zu beschreiben.

Äußerer Körperbau

Äußerer Körperbau eines Wellensittichs

Maske
Als Maske bezeichnet man das Gesicht eines Wellensittichs, d.h. den gelben oder weißen Bereich unterhalb des Schnabels einschließlich der Kehltupfen.

Schnabel und Zunge
Der Schnabel besteht aus Oberschnabel und Unterschnabel. Der Oberschnabel ist der sichtbare, bewegliche Teil des Schnabels. Er ist mit Blutgefäßen und Nerven durchzogen und besteht aus Horn. Das Schnabelhorn nutzt sich durch Verschleiß ab und wächst ständig nach. Der Unterschnabel ist der darunter befindliche, unbewegliche Teil, der nur sichtbar wird, wenn der Wellensittich den Schnabel geöffnet hat. Wellensittiche brauchen ihren Schnabel, um die Nahrung festzuhalten, um Holz zu benagen und als Kletterhilfe.

Wellensittiche habe keine Zähne. Sie schlucken ihre Körnernahrung unzerkleinert, nachdem sie die Körner mit der Zunge entspelzt, d.h. das Korn wird aus der Schale gepellt und die Schale wird zu Boden geworfen haben.

Wachshaut (Nasenhaut)
Als Wachshaut wird der Bereich oberhalb des Schnabels um die Nasenlöcher herum bezeichnet. Bei erwachsenen gesunden Wellensittichen ist die Wachshaut in den meisten Fällen bei Männchen blau und bei Weibchen braun.

Nasenlöcher
Die zwei Nasenlöcher befinden sich inmitten der Wachshaut. Sie werden zum Atmen gebraucht. Sind sie krankheitsbedingt verstopft, müssen sie vom Tierarzt wieder freigemacht werden.

Wangenflecken
Wellensittiche haben auf jeder Seite unterhalb des Auges einen länglichen Wangenfleck, der von Natur aus violett ist, bei bestimmten Farbschlägen aber auch eine andere Farbe haben oder unsichtbar sein kann.

Kehltupfen
Als Kehltupfen werden die runden schwarzen Flecke im unteren Bereich der Maske bezeichnet. Von Natur aus haben Wellensittiche meist sechs kleine Kehltupfen. Bei Hauswellensittichen kann ihre Anzahl variieren.

Augen 
Die Augen bestehen aus einer schwarzen runden Pupille, die wiederum von einem weißen Irisring umgeben ist. Bei bestimmten Farbschlägen erscheint das Auge rot

Ohren
Die Ohren liegen unterhalb der Augen. Sie sind mit Federn bedeckt. Wellensittiche haben keine Ohrmuscheln.

Hals
Der Hals ist sehr lang und beweglich. Er lässt sich um 180 Grad drehen, um Wellensittichen auch einen Blick nach hinten zu ermöglichen.

Brustkorb
Im Bereich des Brustkorbs befindet sich das Brustbein. Hier setzt die kräftige Flugmuskulatur der Wellensittiche an. Ein Teil des Brustbeins, der sogenannte Brustbeinkammm, ist von außen tastbar und gibt Hinweise auf den Ernährungszustand eines Wellensittichs. Bei einem flugfähigen, normal genährten Wellensittich sind die Flugmuskulatur und das am Brustbein vorhandene Körperfett so ausgeprägt, dass der Brustbeinkamm gerade so fühlbar ist. Ist der Brustbeinkamm hingegen deutlich fühlbar, hat der Wellensittich meist aufgrund einer Mangelernährung zu wenig Körperfett und eine schlecht ausgebildete Flugmuskulatur. Bei übergewichtigen Wellensittichen wiederum ist so viel Körperfett vorhanden, dass der Brustbeimkaum kaum oder gar nicht mehr fühlbar ist.

Beine
Die zwei Beine bestehen aus je einem Lauf, vier Zehen und Krallen. Von den vier Zehen sind zwei nach vorn und zwei nach hinten ausgerichtet.

Skelett

Skelett eines Papageis
Skelett eines Papageis,
[Public domain], via Wikimedia Commons
Der Wellensittichkörper ist im Verhältnis zu seiner Größe relativ leicht.

Das liegt in erster Linie daran, dass die Knochen dünn und innen hohl sind und teilweise über eine Anbindung an die Luftsäcke mit Luft gefüllt werden können.

Organe

Innere Organe eines Wellensittichs
Innere Organe eines Wellensittichs

Herz
Das Herz versorgt den Körper über das Blut mit Sauerstoff. Es schlägt 300 bis 600 Mal pro Minute. Das sind also bis zu zehn Schläge pro Sekunde.

Kropf
Heruntergeschluckte Nahrung gelangt über die Speiseröhre zuerst in den Kropf. Der Kropf ist eine Aussackung im unteren Bereich der Speiseröhre. Dort wird die heruntergeschluckte Nahrung mit Hilfe von Drüsensekreten aufgeweicht und so für die weitere Verdauung vorbereitet. Außerdem dient der Kropf dem Wellensittich als Nahrungsspeicher für sich und für die Fütterung des Partners und der Jungvögel.

Magen
Der Magen der Wellensittiche besteht aus zwei Abschnitten: dem Drüsenmagen und dem Muskelmagen. Der Nahrungsbrei aus dem Kropf gelangt zuerst in den Drüsenmagen. Dort werden die für die Verdauung notwendigen Enzyme und Säuren gebildet, so dass die Zersetzung der Nahrung beginnen kann. Vom Drüsenmagen wandert die Nahrung weiter in den Muskelmagen, wo die Nahrung zerkleinert und zermahlen wird. Hierfür werden kleine Steinchen bzw. Grit benötigt, die Wellensittiche zusätzlich zu seiner Körnernahrung regelmäßig aufnehmen müssen.

Darm
Aus dem Muskelmagen gelangt die zermahlene Nahrung in den Darm. Der Darm setzt die Verdauung der Nahrung fort und nimmt die meisten Nährstoffe aus der Nahrung auf.

Hoden und Eierstöcke
Die Hoden des Wellensittichsmännchens bzw. die Eierstöcke des Wellensittichweibchens befinden sich im Bauchraum. Bei der Paarung überträgt das Wellensittichmännchen seine Spermien durch seine Kloake in die Kloake des Wellensittichweibchens. Von dort aus bewegen sich die Spermien in den Eileiter des Wellensittichweibchens. Dort warten sie auf unbefruchtete Eizellen, die sich aus dem Eierstock zusammen mit ihrem Dotter dorthin bewegen. Die Befruchtung findet dann im Eileiter statt.

Legedarm
Der Legedarm der Wellensittichweibchen befindet sich im unteren Darmbereich. Hierhin wandert die Eizelle mit ihrem Dotter, nachdem sie den Eileiter verlassen hat. Im Legedarm wird das Ei mit dem Dotter zunächst mit Einklar eingehüllt. Darüber legt sich eine dünne Hülle, die sogenannte Eihaut. Darüber wiederum bildet sich schließlich die kalkhaltige Eischale. Das Wellensittichweibchen legt das fertige Ei 30 bis 48 Stunden nach der Befruchtung im Eileiter, in dem sie das Ei durch die Kloake nach außen presst.

Kloake
Aus der Kloake werden Kot und Urin ausgeschieden. Das normale Kotbällchen eines Wellensittichs ist von fester Konsistenz und besteht aus einem dunklen Kotanteil und einem weißen Harnsäuresalz-Anteil sowie manchmal zusätzlich etwas wässrigem Urin. Bei Stress, im Falle von bestimmten Krankheiten und nach der Aufnahme feuchter Nahrung (wie Obst und Gemüse) kann Urin zusätzlich auch in flüssiger Form ausgeschieden werden.
Außerdem legt das Wellensittichweibchen durch die Kloake ihre Eier. Die Wellensittichmännchen wiederum überträgt seine Spermien während der Paarung durch seine Kloake in die Kloake des Wellensittichweibchens.

Nieren
Wellensittiche haben zwei Nieren. Diese filtern das Blut und produzieren einen halbfesten Urin. Da Wellensittiche keine Harnblase haben, ist der Harnleiter direkt mit der Kloake verbunden. Der Urin gelangt über den Harnleiter in die Kloake und wird dort zusammen mit dem Kot in Form von Kotbällchen ausgeschieden. Dabei ist der weiße Teil des Kotbällchens der Urin.

Leber
Die Leber ist bei Wellensittichen nicht nur ein Entgiftungs- und Stoffwechselorgan, sondern sie produziert auch verschiedene Stoffe, die für die Bildung der Federn notwendig sind.

Atmungssystem

Wie alle flugfähigen Vögel brauchen Wellensittiche zum Fliegen sehr viel Sauerstoff. Schon im Ruhezustand atmen sie rund 60 bis 80 Mal in der Minute. Dafür sind sie von der Natur mit einem besonders effizienten und leistungsstarken Atmungssystem ausgestattet, das sich vom Atmungssystem der Säugetiere stark unterscheidet.

Atmungssystem der Wellensittiche
Atmungssystem der Wellensittiche

Wellensittiche haben zwar wie Säugetiere eine Lunge und Bronchien, aber die Lunge ist mit mehreren Luftsäcken verbunden. Luftsäcke sind dünnwandige, dehnbare Luftbehälter, die bis ins Bindegewebe und einige Knochen hineinreichen. Ihre Funktion besteht darin, wie Blasebälge den in der Lunge stattfindenden Gasaustausch zu unterstützen

Atmet ein Wellensittich ein, so strömt fast die gesamte eingeatmete Luft zunächst in die hinteren Luftsäcke, die sich dadurch ausdehnen. Im nächsten Moment ziehen sie sich zusammen und geben die frische Atemluft an die Lunge ab. In der Lunge wird der Sauerstoff der frischen Luft in den Blutkreislauf abgegeben. Die verbrauchte Luft strömt in die vorderen Luftsäcke und wird von dort über die Luftröhre beim Ausatmen an die Umgebung abgegeben.

Wellensittiche haben insgesamt neun Luftsäcke, die entsprechend ihrer Lage im Körper auch als hintere bzw. vordere Luftsäcke bezeichnet werden. Zu den hinteren Luftsäcken zählen die zwei hinteren Brustluftsäcke und die zwei Bauchluftsäcke. Die vorderen Luftsäcke sind die zwei vorderen Brustluftsäcke, die zwei Halsluftsäcke und der Schlüsselbeinluftsack.

Neben der Steuerung der Atmung haben Luftsäcke noch zwei weitere Funktionen. Zum einen ist das die Lauterzeugung, denn das Gezwitscher der Wellensittiche entsteht im Stimmkopf durch hochfrequentes Ausatmen. Die andere Funktion ist die Regulierung der Körpertemperatur, da über die Luftsackwände Flüssigkeit verdunstet werden kann, was den Vogelkörper abkühlt.