Sicherheit im Vogelzimmer

Wellensittiche brauchen täglich mehrere Stunden Freiflug. In einem normalen Wohnzimmer gibt aber viele Gefahren, die Wellensittichen beim Fliegen zum Verhängnis werden können. Um das Verletzungs- und Unfallrisiko zu minimieren, müssen Sie das Freiflugzimmer deshalb so vogelsicher wie möglich machen.

Zigarettenrauch ist für Wellensittiche sehr gefährlich
Yintan in der Wikipedia auf Englisch [CC BY-SA 3.0 oder GFDL], via Wikimedia Commons

Fenster geschlossen lassen

Alle Fenster müssen während des Freiflugs komplett geschlossen sein. Wellensittiche, die nach draußen entfliegen, kehren nicht zurück. Sie können im Freien nicht überleben und fliegen in den sicheren Tod, sofern sie nicht in letzter Minute erschöpft irgendwo auf dem Boden sitzend gefunden und gerettet werden.

Wenn Sie Ihren Wellensittichen während des Freiflugs dennoch Frischluft geben wollen, können Sie sich von einem Volierenbauer ein maßgeschneidertes Vogelschutzgitter aus Edelstahl anfertigen lassen, das Sie vor dem Fenster anbringen. Bitte beachten Sie, dass ein Fliegenschutzgitter oder ein Pollenschutznetz aus Gewebe keinen ausreichenden Schutz vor dem Wegfliegen Ihrer Vögel bietet.

Tür zum Vogelzimmer geschlossen lassen

Die Tür zum Vogelzimmer sollte während des Freiflugs komplett geschlossen bleiben.

Wellensittiche können durch eine angelehnte Tür in den Flur bzw. ein anderes Zimmer entwischen. Dort können sie in Panik geraten und sich verletzen bzw. im schlimmsten Fall durch ein gekipptes oder geöffnetes Fenster entfliegen.

Außerdem besteht die Gefahr, dass Wellensittiche eine angelehnte Tür aufgrund ihrer Höhe als Landeplatz annehmen und bei einem plötzlichen Luftzug von der zufallenden Tür zerquetscht werden.

Fensterscheiben und Glaswände sichtbar markieren

Wellensittiche erkennen durchsichtiges Glas nicht als Barriere. Deshalb besteht die Gefahr, dass sie ungebremst dagegen fliegen und eine Gehirnerschütterung bzw. einen tödlichen Genickbruch erleiden.

Sie sollten daher die Fensterscheiben und Glaswände als Hindernis erkennbar machen, indem Sie feinmaschige Gardinen, Post-Its oder Fenstersticker anbringen.

Spalten hinter Schränken und Regalen absichern

Wellensittiche können sich hinter Schränken und Regalen einklemmen, wenn diese nicht direkt an der Wand stehen. Dabei können sie sich schwer bzw. tödlich verletzen oder infolge von Panik einen Herzschlag erleiden.

Schieben Sie daher Schränke und Regale so dicht wie möglich an die Wand. Wenn der verbleibende Spalt dann immer noch zu breit ist, sollten Sie ihn von oben mit dünnen Platten oder Ähnlichem abdecken.

Heizkörper absichern

Wellensittiche können sich die Füßchen verbrennen, wenn sie auf einem heißen Heizkörper landen, oder sich in dem Spalt zwischen dem Heizkörper und der Wand einklemmen.

Sie sollten deshalb Ihre Heizkörper beim Freiflug mit einer dünnen Platte oder einem Handtuch von oben abdecken.

Feinmaschige Gardinen ohne Bleibänder aufhängen

Wellensittiche können in grobmaschigen Gardinen mit ihren Krallen so hängenbleiben, dass sie sich selbst nicht mehr befreien können. Sie sollten deshalb im Vogelzimmer nur feinmaschige Gardinen aufhängen, in denen die Vögel nicht hängenbleiben können.

Entfernen Sie außerdem eventuell vorhandene Bleibänder aus den Gardinen. Wellensittiche können sich vergiften, wenn sie daran nagen.

Teppiche ohne Schlaufen

Wellensittiche landen beim Freiflug manchmal auch auf dem Fußboden. Das geschieht entweder aus Versehen, wenn ein Flugmanöver misslingt oder mit Absicht, um auf dem Boden herumzulaufen und heruntergefallene Körner aufzupicken. Dabei können Wellensittiche so in den Schlaufen von Teppichen hängenbleiben, dass sie sich nicht mehr selbst befreien können. Sie sollten deshalb nur Teppiche ohne Schlaufen im Vogelzimmer auslegen.

Falls Sie einen Teppichboden mit Schlaufen haben, sollten Sie Ihren Vögeln nur Freiflug gewähren, wenn Sie selbst im Haus sind und einen hängen gebliebenen Vogel rasch befreien können.

Harte Bodenbeläge polstern

Parkett und Laminat sind sehr harte Bodenbeläge. Insbesondere flugunfähige Wellensittiche können sich beim Aufprall auf dem Boden schwer verletzen.

Sie sollten deshalb den Bereich unterhalb der Sitzplätze, den Ihre flugunfähigen Vögel erreichen können, mit Matten oder Decken abpolstern.

Ausreichend Licht beim Freiflug

Wellensittiche sehen bei wenig Licht schlecht. Um Unfälle zu vermeiden, muss das Vogelzimmer daher beim Freiflug taghell sein.

An hellen Sommertagen reicht das von außen hereinfallende Licht normalerweise aus. An dunkleren Tagen, vor allem im Herbst und Winter, sollten Sie während des Freiflugs mit Lampen für ausreichend Helligkeit sorgen.

Stromkabel und Steckdosen sichern

Wellensittiche, die an Stromkabeln oder Steckdosen knabbern, können im schlimmsten Fall einen tödlichen Stromschlag erleiden.

Sie sollten daher Stromkabel versteckt oder in Kabelkanälen verlegen und leicht erreichbare Steckdosen mit Kindersicherungen abdecken.

Keine Schnittblumen und giftigen Zimmerpflanzen aufstellen

Schnittblumen und die meisten Zimmerpflanzen sind giftig und somit für Ihre Wellensittiche eine tödliche Gefahr. Sie sollten daher keine Schnittblumen und giftigen Zimmerpflanzen im Vogelzimmer aufstellen. Eine Übersicht über giftige und ungiftige Zimmerpflanzen finden Sie im Kapitel Zimmerpflanzen.

Wenn Sie ungiftige Zimmerpflanzen im Vogelzimmer aufstellen, sollten Sie die Pflanzenerde zudecken, damit die Wellensittiche nicht darin herumwühlen können. Die in der Pflanzenerde enthaltenen Schimmelsporen und Düngemittel sind für Wellensittiche gesundheitsgefährdend, da sie Schimmelpilzerkrankungen der Atemwege bzw. schwere Vergiftungen auslösen können.

Nicht heiß werdende Leuchtmittel verwenden

Wellensittiche können sich an Lampen mit heiß werdenden Leuchtmitteln schlimme Verbrennungen an den Füßchen zuziehen. Dies ist insbesondere bei Deckenflutern, Kronleuchtern und allen anderen Hängelampen mit offen herausstehenden Leuchtmitteln eine Gefahr, weil Wellensittiche solche Lampen aufgrund ihrer Höhe als Landeplatz anfliegen könnten.

Sie sollten deshalb heiß werdende Leuchtmittel wie zum Beispiel herkömmliche Glühbirnen und Halogen-Birnen, die nicht durch einen Lampenschirm oder ein Gehäuse geschützt sind, durch nicht heiß werdende Leuchtmittel ersetzen (Energiesparlampen, LED). Wenn das nicht möglich ist, sollten heiß werdende Lampen eine Stunde vor dem Freiflug ausgeschaltet werden, damit sie vor dem Freiflug abkühlen können.

Keine offenen Gefäße stehenlassen

Wellensittiche können nicht schwimmen. Sie ertrinken sofort, wenn sie in Wasser oder eine andere Flüssigkeit fallen. Sie sollten daher keine Wasser- und Saftgläser, Kaffee- und Teebecher, Kannen und Putzeimer unbeaufsichtigt im Vogelzimmer stehen lassen.

Offene Gefäße ohne Flüssigkeit sind ebenfalls gefährlich für Wellensittiche. Wellensittiche, die in einen Schirmständer oder eine leere Blumenvase fallen, können sich nicht mehr selbst befreien und infolge von Panik an einem Herzschlag sterben. Auch solche Gefäße sollten Sie daher aus dem Vogelzimmer entfernen.

Ein Aquarium im Vogelzimmer ist erlaubt, wenn es auf der Oberseite geschlossen ist. Auch Wasserschalen auf der Heizung sind möglich, wenn sie eine geeignete Abdeckung haben.

Keine Zimmerbrunnen aufstellen

Zimmerbrunnen verkeimen sehr schnell und sind daher für Wellensittiche eine tödlichen Gefahr. Das gilt auch, wenn das Wasser täglich gewechselt oder mit speziellen Wasserzusätzen gegen Algenbildung und Verkeimung versetzt wird. Sie sollten daher keine Zimmerbrunnen im Vogelzimmer aufstellen.

Im Vogelzimmer nicht rauchen

Rauchen im Vogelzimmer ist absolut tabu.

Wellensittiche haben ein sehr empfindliches Atmungssystem. Der im Zigarettenrauch enthaltene Teer kann die Atemwege verkleben und Krebs und Atemwegserkrankungen auslösen. Das im Zigarettenrauch enthaltene giftige Kohlenmonoxid führt zu Leistungsminderung, erhöhtem Herzschlag und höheren Puls.

Der Zigarettenrauch legt sich auch über das Gefieder der Wellensittiche. Wellensittiche nehmen die Giftstoffe daher nicht nur über die Atmung, sondern auch bei der täglichen Gefiederpflege auf. Außerdem erhöht sich die natürliche Körpertemperatur, so dass Wellensittiche sich unter Umständen sogar Federn ausrupfen, um ihre natürliche Körpertemperatur wieder herzustellen.

Keine Kerzen aufstellen

An brennenden Kerzen können sich Wellensittiche schwere Verbrennungen zufügen, wenn sie zu tief über die Flamme fliegen oder mit dem Schnabel oder einem Fuß das heiße Wachs berühren.

Auch erkaltete Kerzen sind gefährlich: Wellensittiche, die am kalten Kerzenwachs nagen, können schwere Verdauungsstörungen, Verstopfung und im schlimmsten Fall einen tödlichen Darmverschluss erleiden.

Keine giftigen Dämpfe verbreiten

Bestimmte Dämpfe im Haushalt sind für Wellensittiche tödlich. Die Vögel fallen beim Einatmen sehr schnell mit Atemnot und schweren Krämpfen von der Stange und können, auch wenn sie noch zum Tierarzt gebracht werden, meist nicht mehr gerettet werden.

Zu den alltäglichen giftigen Dämpfen gehört die Dämpfe, die beim Erhitzen von Pfannen, Waffeleisen, Backofenblechen, Backformen und Raclette-Pfännchen mit Antihaftbeschichtung (Polytetrafluorethylen – PTFE) abgegeben werden. Sie dürfen deshalb niemals ein Raclette-Essen im Vogelzimmer veranstalten oder in der Küche bei offener Tür zum Vogelzimmer mit antihaftbeschichteten Kochgeräten kochen.

Ebenfalls lebensgefährlich und im schlimmsten Fall tödlich für Wellensittiche sind alle Sprays. Sie dürfen keine Imprägniersprays, Haarsprays, Desinfektionssprays und Raumsprays sowie Insektenvernichtungsmittel im Vogelzimmer und auch nicht in den Nachbarräumen verwenden.

Wellensittiche dürfen auch keine Gerüche von Lacken, Farben und Teppichklebern einatmen. Wenn Sie das Vogelzimmer renovieren wollen, müssen Sie die Vögel danach ein paar Tage lang in einem anderen Raum unterbringen, bis alle Gerüche aus dem Vogelzimmer verschwunden sind.

Keine Stifte herumliegen lassen

Kugelschreiber, Buntstifte, Bleistifte und Textmarker sind giftig für Wellensittiche und sollten deshalb weggeräumt werden.