Eingangscheck beim vogelkundigen Tierarzt

Einige Tage nach dem Einzug sollten Sie Ihre neuen Wellensittiche einem vogelkundigen Tierarzt zur Eingangsuntersuchung vorstellen. Ein vogelkundiger Tierarzt ist ein auf die Behandlung von Vögeln spezialisierter Tierarzt mit einer entsprechenden Zusatzausbildung. Normale Kleintierärzte haben diese Zusatzausbildung nicht und können Wellensittiche deshalb in den meisten Fällen nicht fachgerecht untersuchen und behandeln. Auf der Liste der vogelkundigen Tierärzte finden Sie einen vogelkundigen Tierarzt in Ihrer Nähe.

Behandlungstisch beim Tierarzt von hystiff [CC0], vom Wikimedia Commons

Mit neuen Wellensittichen immer zuerst zur Eingangsuntersuchung

Wellensittiche verstecken Krankheiten und Unwohlsein, so lange sie können. Daher machen auch kranke Wellensittiche äußerlich oftmals einen munteren und gesunden Eindruck. Sie sollten sich davon aber nicht täuschen lassen und ein paar Tage nach dem Einzug Ihre neuen Wellensittiche einem vogelkundigen Tierarzt zur Eingangsuntersuchung vorstellen.

Wenn Sie schon Wellensittiche haben, sollten Sie Neuzugänge zunächst in einen separaten Quarantänekäfig setzen. Ansonsten kann es passieren, dass die Neuen Ihren gesamten Schwarm anstecken und in Lebensgefahr bringen.

Vor der Eingangsuntersuchung

Zur Vorbereitung auf die Eingangsuntersuchung können Sie drei Tage lang den Kot Ihrer Wellensittiche in einem sauberen Gefäß sammeln. Das ist sinnvoll, da Krankheitserreger oder Spulwurmeier nicht mit jedem Kotbällchen ausgeschieden werden. In dieser Zeit sollten Sie keinen Vogelsand verwenden, damit der Kot nicht mit Sandkörnern verunreinigt wird. Stattdessen können Sie den Käfig mit Küchenpapier oder Zeitungspapier auslegen.

Ablauf der Eingangsuntersuchung

Die Eingangsuntersuchung umfasst im Wesentlichen das Bestimmen des Gewichts, das Abtasten des Vogelkörpers in Bezug auf den Ernährungszustand und Auffälligkeiten, das Abhören des Herzschlags und der Atmung, die Begutachtung des Gefieders, des Schnabels, der Nase, der Beine und der Krallen sowie die mikroskopische Untersuchung einer Kotprobe und eines Kropf- und Kloakenabstrichs.

Ein Schwerpunkt liegt auf dem Vorhandensein von Bakterien, Pilzen und Parasiten.

Bakterien und Pilze kann der Tierarzt schon grob unter dem Mikroskop erkennen. Bei Bedarf kann er zur genauen Bestimmung eine Probe an ein externes Labor schicken und auf der Grundlage der Laborergebnisse ein paar Tage später die Behandlung mit einem Antibiotikum oder einem Antimykotikum (Antipilzmittel) beginnen.

Äußerliche Parasiten im Gefieder (Federmilben) oder am Schnabel bzw. an der Nase (Grabmilben) sind mit bloßem Auge zu erkennen und können sofort behandelt werden. Auch innere Parasiten im Kropf  (Trichomonaden oder Spulwürmer) oder im Kot (Spulwurmeier) sind im Abstrich zu erkennen und können sofort behandelt werden.

Kosten der Eingangsuntersuchung

Die Kosten für eine Eingangsuntersuchung lassen sich nicht genau beziffern. Sie hängen unter anderem davon ab, ob ein externen Labor für eine mikrobiologische Untersuchung beauftragt werden muss.

Auf keinen Fall aber sollten Sie diese Erstinvestition in die Gesundheit Ihrer neuen Vögel scheuen. Mit einem Eingangcheck können Sie Ihren neuen Wellensittichen das Leben retten, wenn beim Eingangscheck etwas gefunden wird, was behandelt werden kann. Und wenn beim Eingangscheck nichts Krankhaftes gefunden wird, dann haben Sie eine gewisse (wenn auch keine 100%ige) Gewissheit, dass Ihre Neuzugänge gesund sind und sie bei Ihnen einen guten Start in ein langes Leben haben.

Nach der Eingangsuntersuchung

Sobald Sie vom Tierarzt grünes Licht haben, dass Ihre neuen Wellensittiche gesund sind, können Sie sie zu Ihren anderen Wellensittichen setzen.

Manche Vogelhalter lassen auch nach einem erfolgreichen Eingangscheck beim Tierarzt neue Wellensittiche noch ein paar weitere Tage bis zu zwei Wochen in einem separaten Quarantänekäfig. Das wird damit begründet, dass das Immunsystem der Neuen durch den Umzugsstress geschwächt ist, so dass Umweltkeime, die immer im Vogel vorhanden sind und normalerweise vom Immunsystem in Schach gehalten werden, sich unkontrolliert vermehren und zur Erkrankung des Vogels führen.

Realistisch betrachtet ist es schwer, Wellensittiche noch mehrere Tage nach dem Tierarztbesuch vorsorglich in einem Quarantänekäfig zu halten, wenn sie in Hörweite von anderen Wellensittichen sind. Die Neuen machen dann normalerweise so einen Aufstand in ihrem Käfig, dass man sie vor Ablauf der zwei Wochen zu den anderen dazusetzt.