Steckbrief

Als Heimtiere sind Wellensittiche heute auf der ganzen Welt bekannt und beliebt. In der freien Natur sind Wellensittiche nur im Inneren Australiens zu Hause.

Wilde Wellensittiche in Australien
Wilde Wellensittiche in Australien
Von Jim Bendon from Karratha, Australia (budgies_3) [CC BY-SA 2.0], via Wikimedia Commons
Der Wellensittich ist eine Vogelart, die zur Familie der Eigentlichen Papageien (Psittacidae) gehört. Sein wissenschaftlicher Name ist Melopsittacus undulatus. Das bedeutet „gewellter Singpapagei“ und ist eine Anspielung auf das wellenförmige Muster im Gefieder der Wellensittiche.

Verbreitungsgebiet

Verbreitungsgebiet Wellensittiche Australien
_Australia-climate-map_MJC01.png: Martyman at en.wikipediaderivative work: Haarmonster at de.wikipedia [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons
In der freien Natur kommen Wellensittiche ausschließlich in Australien vor.

Dort leben sie in den heißen halbtrockenen und trockenen Landschaften im Landesinnern.

Es ist nicht bekannt, wie viele wildlebende Wellensittiche es in Australien gibt. Ihr Bestand gilt aber als zunehmend. Die International Union for Conservation of Nature and Natural Resources (IUCN) stuft Wellensittiche als nicht gefährdete Art (Least Concern) ein.

Aussehen, Größe und Gewicht

Zwei wilde Wellensittiche in Australien
Zwei wilde Wellensittiche in Australien
von Guillaume PILLET from Cachan, France (OiseauxUploaded by Snowmanradio) [CC BY 2.0], via Wikimedia Commons
Wilde Wellensittiche sind immer grün-gelb.

Sie haben eine gelbe Stirn, ein gelbes Gesicht und eine gelbe Kehle sowie sechs dunkle Kehltupfen und auf jeder Seite einen ausgeprägten violetten Wangenfleck.

Über ihren Hinterkopf und oberen Rücken verlaufen die dunklen Wellen, die ihnen den Namen „Wellensittiche“ gegeben haben. Rumpf und Rücken unterhalb der Federn sind leuchtend grün.

Die Wellenzeichnung auf dem Rücken inklusive der Schwungfedern ist schwarz, die Schwanzfedern sind dunkelblau bis schwarz.

Wilde Wellensittiche werden – vom Kopf bis zum Schwanz gemessen – etwa 18 cm groß und wiegen 26 bis 29 Gramm.

Männchen und Weibchen

Wellensittich-Pärchen
Wellensittich-Pärchen
von Norbert Seidel, Viernheim (Norbert Seidel, Viernheim) [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons
Bei den wildlebenden grünen Wellensittichen ist die Wachshaut der Männchen blau, die Wachshaut der Weibchen ist braun.

Sobald sie geschlechtsreif sind, suchen sich Wellensittiche einen festen Partner, dem sie in vielen Fällen lebenslang treu bleiben.

Lebensart

Wellensittichschwarm in Australien
Wellensittichschwarm in Australien
von Jim Bendon from Karratha, Australia (budgies) [CC BY-SA 2.0], via Wikimedia Commons
Wilde Wellensittiche leben in riesigen Schwärmen. Sie ziehen auf der Suche nach Wasser und Futter durch das Land. An den Orten, an denen sie ausreichend Wasser und Futter vorfinden, lassen sie sich vorübergehend nieder.

Wegen der großen Hitze suchen die Vögel die Futterplätze und Wasserstellen nur am frühen Morgen und am späten Abend auf. In den heißen Stunden des Tages sitzen sie im Schatten auf den Ästen von Eukalyptusbäumen. Auch die Nächte verbringen Wellensittiche weit oben in den Bäumen. Der Tageslänge in Australien entsprechend schlafen sie zehn bis zwölf Stunden.

Ernährung

Lebensraum von Wellensittichen in Australien
Lebensraum von Wellensittichen in Australien
von Thomas Schoch [CC BY-SA 2.5], via Wikimedia Commons
Wildlebende Wellensittiche ernähren sich hauptsächlich von den reifen Samen von Bodendeckerpflanzen. Während der Aufzucht von Jungvögeln nehmen sie zusätzlich Insekten auf, um ihre Jungen mit Eiweiß zu versorgen.

Wilde Wellensittiche brauchen sehr wenig Wasser zum Überleben. Sie trinken das Wasser von Tümpeln oder den Morgentau von Gräsern. Wenn sie an eine Wasserfläche heranfliegen, nehmen sie Wasser ohne zu landen auf.

Brutverhalten

Wildlebende Wellensittiche brüten unabhängig von der Jahreszeit immer und solange sie genügend Nahrung und Wasser für sich selbst und ihre Küken zur Verfügung haben. In den trockenen Gebieten im australischen Outback ist das insbesondere nach Regenfällen der Fall.

Wellensittichmännchen erreichen ihre sexuelle Reife schon sehr früh im Alter von drei bis vier Monaten. Sie sind sehr schnell bereit, sich zu paaren, sobald es regnet und und die Vegetation zu sprießen beginnt.

Wilde Wellensittiche brüten in Baumhöhlen von Eukalyptusbäumen. Sind in den Bäumen nicht genug Nisthöhlen für alle Wellensittiche eines Schwarms vorhanden, brüten Wellensittiche auch in Erdlöchern und Wurzeln und zwischen Steinen. Wellensittiche brauchen kein Nistmaterial. Vielmehr entfernen die Weibchen alles Überflüssige aus den Nisthöhlen und vergrößern die Nisthöhlen lediglich bei Bedarf mit ihrem Schnabel.

Frisch geschlüpfte Wellensittiche und Eier
Frisch geschlüpfte Wellensittiche und Eier
von PuppiesAreProzac (American Parakeet Babies and Eggs) [CC BY-SA 2.0], via flickr.com
Ein Gelege hat im Durchschnitt vier bis sechs Eier, die im Abstand von zwei Tagen gelegt werden. Das Weibchen beginnt ab dem ersten Ei mit der Brut. Das Männchen beschränkt sich auf die Nahrungssuche und das Füttern des Weibchens mit einem Nahrungsbrei.

Nach 18 Tagen schlüpft das erste Küken. Das Weibchen unterstützt das Küken beim Schlüpfen aus der Schale, in dem es mit dem Schnabel die Eierschale aufzubrechen hilft. Der Schlupfvorgang dauert rund 20 Minuten. Ein frisch geschlüpftes Küken wiegt nur 2 Gramm.Die weiteren Küken folgen im Abstand von zwei Tagen.

Nach etwa 30 Tagen verlassen die jungen Wellensittiche die Bruthöhle. Sie haben sich zuvor noch ein kleines Fettpolster angelegt, um die ersten Tage allein in der Natur überleben zu können. Nach nur wenigen Tagen beherrschen die jungen Vögel dann auch die Futtersuche in der freien Natur und sind vollkommen selbständig.

Lebenserwartung und natürliche Feinde

Die Lebenserwartung von wilden Wellensittiche ist nicht bekannt. Das liegt daran, dass sich das Alter von erwachsenen Wellensittichen anhand ihres Aussehens nicht feststellen lässt. Man kann lediglich Jungvögel von erwachsenen Vögeln unterscheiden: Bei Jungvögeln zieht sich die Wellenzeichnung noch über den Kopf bis auf die Stirn, bei erwachsenen Vögel endet die Wellenzeichnung am Hinterkopf.

Zu den natürlichen Feinden der wilden Wellensittiche gehören Greifvögel wie Habichte, Falken und Sperber sowie Echsen und Schlangen. Da Wellensittiche mit hohen Geschwindigkeiten von bis zu 120 km/h in großen Schwärmen unterwegs sind, können Greifvögel aber nur sehr schwer einen einzelnen Wellensittich fassen. Außerdem verfügen Wellensittiche über ein ausgeklügeltes Alarmruf-System, um den ganzen Schwarm bei drohender Gefahr zu warnen.

Wilde Wellensittiche außerhalb Australiens

Australien hat schon 1884 ein Exportverbot für Wellensittiche erlassen. Deshalb gibt es außerhalb Australiens heute fast nur Nachkommen der bis zu diesem Zeitpunkt exportierten Wellensittiche.

Aus Australien neu importierte wilde Wellensittiche gibt es im Tierpark Hagenbeck in Hamburg und im Kölner Zoo zu sehen.

In Florida/USA lebt eine kleine verwilderte Population in der freien Natur.