Probleme mit Lausbub Olli Oliver

Über die Körpersprache und Sonstiges zum Verhalten von Wellensittichen. Hier bist du auch richtig, wenn sich dein Welli "komisch" verhält.
Lady_Alea
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Probleme mit Lausbub Olli Oliver

Beitrag von Lady_Alea »

Vielleicht finde ich hier ja Rat... dazu muss ich aber etwas länger ausholen, damit Ihr das Problem versteht. Deswegen Achtung - ganz langer Text und ich bitte Euch, diesen aufmerksam durchzulesen. Denn ich bin echt ratlos... :(

Seit zwei Jahren haben / hatten wir einen Schwarm von vier pfiffigen Welli-Männchen: Paula (ja auch sie ist eigentlich ein Hahn, muss ich aber leider immer und immer wieder dazuschreiben), Karl Otto (ist vor fast drei Wochen verstorben), Olli Oliver und dem kleinen Jens.

Olli und Jens verstanden sich ganz lange ganz super, waren quasi ein schwules Welli Pärchen. Paula und Otto waren eher für sich, fütterten und kraulten aber auch mal Olli oder den Jens.

Ungefähr seit Dezember 2021 fiel uns auf, dass Olli immer triebhafter wurde und Jens voll und ganz für sich "einnahm". Nährten sich mal Paula oder Otto Jens, flog Olli sofort zeternd dazwischen. War aber noch nicht dramatisch, es ging gefühlt halt etwas mehr ab zwischen den Wellis.

Anfang 2022 verschlimmerte sich die Situation zum ersten Mal. Uns fiel von da an auf, dass Olli immer mal wieder "streng" roch, wenn er, völlig gaga, dabei war Jens zu füttern. Die Situation spitzte sich zu, als beide Wellis Olli und Jens auf der Hand waren. Olli fütterte Jens während er sich mit seinem Popo an unserer Hand rieb. Wir unterbanden dieses Verhalten immer.

Es nutzte nichts. Olli wurde immer triebiger, ließ Jens kaum noch Luft um alleine zu fressen, Freiflug zu machen oder sonst was. Jens nahm zu dieser Zeit total viel ab, Olli wurde gegenüber den anderen Wellis immer aggressiver.

Anfang Februar trennten wir die Wellis paarweise das erste Mal. Paula und Otto blieben in der Voliere, Olli und Jens kam im großen Zweitkäfig zu mir ins Zimmer. Jens litt zu dieser Zeit an einer Kropfentzündung, wurde zudem behandelt und stabilisierte sich vom Gewicht wie auch vom Verhalten. Als er wieder gesund war, kam er mit Olli zurück zu den zwei anderen. Es war okay, doch wieder ließ Olli Jens kaum Ruhe.

Auch unsere Tierärzte (Haustierärztin sowie die aus der Klinik) kennen Ollis Fall. Viele Optionen uns zu helfen hatten sie nicht. Lediglich ein Hormonstäbchen, welches eigentlich für kleine Hunde ist und als mal Papageien eingesetzt wird mittels OP war der Vorschlag.

Mitte April starb Otto. Kurzzeitig waren die Wellis zu dritt: Paula, Olli und Jens. Und die Situation wurde unerträglich. Ollis Aggressivität nahm gewaltig zu.

Ich hatte schon sehr viele Wellensittiche und habe sehr viel mit ihnen erlebt - aber dass es Vogel so böse gegenüber einem anderen sein kann, war mir bis vor kurzem nicht bekannt.
Olli verletzte Paula. Nicht schwer, aber der Welli blutete. Wir trennten sie wieder. Olli mit seinem Jens wieder bei mir. Paula in der Voliere.

Wir holten ein neues Vögelchen, sodass Paula nicht alleine war. Kein Problem. Wir ließen nach zwei Tagen wieder Olli und Jens dazu. Zunächst kein Problem. Dann geschahen die Hähnenkämpfe um Jens wieder.

Auf anraten unseres Züchters, bei dem wir unsere Wellis holen, kam Olli nun ganz alleine zu mir. Eine Woche verbrachte er so, mit Einzelaufmerksamkeit.

Währenddessen holten wir noch Rickys Brüderchen Micky zu uns. In der Voliere saßen also wieder vier Wellis: Paula und Jens, Ricky und Micky. Alles total harmonisch, ab und an etwas Gekecker, aber keine Aggression mehr.

Eine Woche wie gesagt verging, wir versuchten die Zusammenführung erneut. Keine Minute hat es gedauert, bis Paula am Köpfchen eine blutende Wunde von Ollis Angriff hatte.

Jetzt ist Olli wieder bei mir. Alleine ein sehr lieber Vogel, im Schwarm ein Prügelknabe.

Wir wissen nicht mehr weiter. Viele Optionen haben wir nicht.
OP und Hormonstäbchen, was eigentlich nicht für ihn ist? (OP einem so winzigen Tierchen? Was, wenn er das Ding nicht verträgt?)
Ihn weiterhin bei mir im Zimmer lassen? (Ich bin strikt gegen Einzelhaltung, aber so ein Fall hatten wir auch noch nie, der mich zu solchen Überlegungen brachte)
Ihn bei mir im Zimmer lassen und ein altes Weibchen dazuholen? (Was aber tun, wenn er mit dem Weibchen nicht klar kommt und er so aggressiv ihr gegenüber ist wie den anderen?)
Ihn zu sehr erfahrene Welli-Leuten abgeben? (Die Option, die wir am ungernsten machen, weil er eigentlich echt sehr lieb ist)

Den vier anderen Wellis, denen merkt man die Entspannung an, wenn Olli fehlt. Es wird weder nach ihm gezwischert, noch trauern sie. Paula und Jens harmonieren so schön miteinander. Jens nimmt endlich zu und ist nicht mehr nur ein Knochengerüst.

Habt Ihr jemals so etwas durchgemacht?
Habt Ihr Ideen, vielleicht einen Rat?
... oder einfach nur tröstende Worte. :(

Vielen Dank für's Lesen. <3

Alea
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Flauschfedern
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Re: Probleme mit Lausbub Olli Oliver

Beitrag von Flauschfedern »

Hallo Alea,

das ist sehr anstrengend :consoling: , ich weiß das aus eigener Erfahrung.

Wir hatten bis letztes Jahr Kiwi im Schwarm. Kiwi ist in den letzten zwei Jahren vor seinem Tod immer aggressiver geworden, er hat sich schlimme Hahnenkämpfe mit unserem Dani geliefert.

Wir haben alles Mögliche versucht: Kiwi stundenweise separiert (sinnlos), alle zeitweise ins Dunkle gesetzt (genauso sinnlos), das Essen vollständig auf Diät umgestellt ... nichts hat geholfen. Einmal hat Kiwi den Dani so wild durchs Zimmer gejagt, dass Dani fast einen Herzschlag bekommen hätte.

Ein Hormonimplantat haben wir nicht setzen lassen. Im Nachhinein wäre das vielleicht das Richtige gewesen. Beim nächsten derartigen Fall würde ich das wahrscheinlich aber machen lassen.
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Mira
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Re: Probleme mit Lausbub Olli Oliver

Beitrag von Mira »

Hallo,

für mich klingt das danach, als ob Ollis Hormonhaushalt völlig durcheinander ist. Gesteigerte Aggresivität, Revierverhalten, Füttern, starker Sexualtrieb, all das wird von Hormonen gesteuert, du kannst es ihm nicht einfach "abgewöhnen".
Zwei Fragen stellen sich dann: Warum? und Was macht man dagegen? Zum Warum kann dir nur ein Tierarzt helfen, ob ein Tumor, eine Entzündung, eine (für diesen Vogel) nicht passende Ernährung oder etwas ganz anderes der Auslöser ist, kann vielleicht der Tierarzt herausfinden, vielleicht findet man aber auch keine Ursache.
Zur zweiten Frage: Was macht man dagegen? Bei klarer Diagnose kann es evtl. Mittel gezielte Mittel geben, ansonsten viel ausprobieren und nach und nach alles vermeiden, was evtl. noch zusätzlich stimulieren kann. Wir haben einen gemischten Schwarm und im letzten Jahr leider auch viel Trubel, wenn die Mädels brutig waren, ging es auch bis zu heftigen Kämpfen bei den Jungs - obwohl alle ja eigentlich ganz liebe sind. Ein Hormonimplantat (zwar bei einem Mädel, aber soweit ich weiß gibt es die auch für Jungs, es ist ist ja durchaus üblich, eigentlich für andere Tierarten zugelassene Medikamente auch bei Vögeln zu verwenden, einfach weil die formalen Zulassungsverfahren nicht für jede Tierart in jeder Größe durchgeführt werden) brachte wieder Ruhe in den Schwarm - innerhalb von 1-2 Tagen war eine ganz andere Situation. Zusätzlich hat sich bei uns bewährt, die zwei, die am häufigsten miteinander gekämpft haben, nachts in zwei unterschiedliche Käfige zu setzen (jeweils mit Partner bzw. sogar mehreren anderen), die aber dicht nebeneinander stehen - im Freiflug verstehen sie sich prächtig, aber nicht in der Voli. Wenn wir merken, das schaukelt sich alles wieder auf, wird erst wieder alles Anregende reduziert (kein Hafer, mehr Diätfutter, weniger Grünfutter, weniger Schreddermaterial etc.), bleibt eine aggresive Stimmung, gibt es ein neues Hormonimplantat. Mein Eindruck: auch die Vögel selbst sind zufriedener, wenn sie nicht mehr so stark hormongesteuert sind.
So, das war jetzt ebenfalls langer Text, aber wenn dir schon vom Tierarzt der Vorschlag zu einem Hormonpräparat gemacht wurde: probier es unbedingt aus! Ändert sich das Verhalten dann schlagartig, weißt du, woran es liegt und der Vogel kommt auch mal zur Ruhe. Künftig kannst du vielleicht auch schon vorbeugend eingreifen (Wüstenmodus), so dass es gar kein zweites mal nötig ist.
Viele Grüße von Mira
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Re: Probleme mit Lausbub Olli Oliver

Beitrag von Lady_Alea »

Hallo Mira!

Vielen Dank für Deinen Beitrag.

Das mit dem Futter ist schon mal ein sehr guter Tipp!
Da wir ja wegen unserem Sorgenkind Jens sehr gutes Futter mit einer kleinen Proteinquelle geben (ihm mangelt es an Eiweis), werden wir jetzt für Olli erst einmal auf Diatfutter umsteigen.

Aktuell schwächelt Jens in der Voliere sehr, sodass wir morgen zur Tierärztin gehen werden.

Alles gerade nicht einfach, aber wir wuppen das! :)

Aber es ist total beruhigend zu wissen, dass ich damit nicht alleine bin. In einem anderen Forum wo ich bis vor kurzem war, kam da nichts zurück außer "geh zum vogelkundigen Fachtierarzt!!!" und das, obwohl ich das ja dazugeschrieben hatte, dass wir dort bereits waren. :(
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Re: Probleme mit Lausbub Olli Oliver

Beitrag von Lady_Alea »

Und nochmal Hallo Mira!

Wie hat Dein Welli denn das Einsetzen des Hormonimplantats vertragen?
Laut meinem Tierarzt aus der Klinik wird das ja via OP gemacht.

Ich habe einfach Angst, dass wenn wir uns dazu entscheiden sollten, es Komplikationen gibt. :(
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Re: Probleme mit Lausbub Olli Oliver

Beitrag von Mira »

Hallo Lady_Alea,

also bisher wurde das Implantat immer gut vertragen. Es wird im Nacken unter die Haut gesetzt, das geht schnell. Wir sind hin, Tierarzt hat den Vogel mit nach hinten genommen, unter Narkose das Implantat gesetzt, dann noch einige Minuten Beobachtung und nach insgesamt vielleicht 25 min sind wir wieder heim.
Überrascht hat mich jedes mal wirklich die deutliche Verhaltensänderung in den folgenden Tagen; es überträgt sich auch ganz schnell auf die anderen, wenn ein Vogel nicht mehr so aufgeputscht ist und alle kommen wieder zur Ruhe. Wir hatten es schon öfter, irgendwann läßt dann die Wirkung nach und es sollte erneuert werden. Das letzte Mal haben wir damit aber definitiv zu lange gewartet (ist ja noch nicht so schlimm, beruhigt sich von selbst, keine Zeit, etc.), die Quittung waren in Summe: eine sehr böse heftige Kopfwunde, zwei blutende Füßchen, ein Ausbruch eines neuen Megaschubs...
Viele Grüße von Mira
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Re: Probleme mit Lausbub Olli Oliver

Beitrag von Die Zwitschergang »

Hallo Alea,

ich würde Dir auch dringend zu einem Hormonimplantat raten, wenn Olli keine anderen gesundheitlichen Probleme (Tumor) hat. Wenn Du Dich nicht direkt für ein Implantat entscheiden magst, es gibt für den Anfang auch Hormonspritzen. Daran kannst Du dann auch sehen, ob sich Ollis Verhalten ändert. Das hält allerdings von der Wirkung nicht so lange an. Sollte Dein TA sich unsicher sein mit dem Setzen eines Implantats beim Welli, solltest Du den TA wechseln. Es gibt ja auch unter der vogelkundigen Ärzten Unterschiede.
Liebe Grüße Hannelore mit der Zwitschergang (Jacky, Oskar, Charlie, Tori, Odin, Tosca, Gipsy und Sissi.
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Re: Probleme mit Lausbub Olli Oliver

Beitrag von Flauschfedern »

Die Zwitschergang hat geschrieben: 09.05.2022, 09:38 es gibt für den Anfang auch Hormonspritzen.
Stimmt, das ist eine gute Idee, daran habe ich gar nicht gedacht. Wir haben Dani mal eine Hormonspritze geben lassen, als er ein junger Hahn war und vor lauter Hormonen so dicke Hoden bekam, dass er ein Bein nicht mehr aufsetzen konnte. In unserem Fall hat die Hormonspritze leider nichts gebracht, aber das kann man ja nicht verallgemeinern.
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Re: Probleme mit Lausbub Olli Oliver

Beitrag von Steffi-Lotte »

Mich verunsichert die Aussage des TAs grade etwas, dass das Implantat eigentlich für kleine Hunde ist... Kann das stimmen? Ich hatte bislang nur Erfahrung mit Hormonspritzen, daher weiß ich das selbst nicht. Ich denke nur grade, dass selbst ein kleiner Hund mit vielleicht 2 kg Körpergewicht ja dennoch das rund 50fache eines Wellis wiegt. Und ein Implantat kann ich ja nicht wie ein AB einfach anders dosieren.
Liebe Grüße von Steffi
mit Hugo, Leo, Willy, Betty, Bobby und Minnie.
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Re: Probleme mit Lausbub Olli Oliver

Beitrag von Lady_Alea »

Hallöchen! :)

Tatsächlich hat sich unsere Lage etwas geändert.

Unser Sorgekind Jens hat mal wieder eine Kropfentzündung, isst kaum, würgt oft.
Nach dem gestrigen Gang zu unserer Haustierärztin war klar, dass Jensi-Boy nun mit Paula zu mir ins Zimmer kommt und Olli darf vor in die Voliere zu den Babys.

Nach anfänglicher panischer Angst vor den zwei kleinen Rackern, hat Olli sich soweit in Griff und freundet sich gerade mit Micky an. :D

Problem für die nächsten zwei Wochen vorerst gelöst. Wie es danach weitergeht werden wir sehen.

Jens darf sich jetzt zusammen mit Paulchen erst einmal so richtig erholen und muss auch zunehmen.

Aber auf jeden Fall vielen lieben Dank für Eure Antworten!
Jetzt, falls das Problem dann wieder auftreten sollte, wissen wir was wir tun werden. :D
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