Kranke Wellensittiche erkennen

Kranke Wellensittiche erkennen
Krankes Wellensittichweibchen

Wellensittiche verbergen Unwohlsein und Schmerzen, so lange sie können. Ist ein Wellensittich erst einmal sichtbar krank, dann ist seine Krankheit schon weit fortgeschritten und es besteht oft schon Lebensgefahr. Sie sollten daher über die häufigsten Krankheitssymptome Bescheid wissen, um möglichst frühzeitig kranke Wellensittiche erkennen zu können. 

Das Lesen des folgenden Textes ersetzt nicht den Besuch beim Tierarzt! Gehen Sie lieber einmal zu viel als einmal zu wenig zum Tierarzt.

Schnell zum vogelkundigen Tierarzt

Ein kranker Wellensittich wird nicht von allein wieder gesund. Wenn Sie bei einem Wellensittich Krankheitssymptome feststellen, sollten Sie ihn daher schnell zu einem vogelkundigen Tierarzt bringen. Eine Liste mit vogelkundigen Tierärzten in Deutschland finden Sie im Kapitel Vogelkundige Tierärzte.

Kranke Wellensittiche am Verhalten erkennen

Gesunde Wellensittiche sind tagsüber munter. Vor allem am Morgen sind sie sehr aktiv. Sie zwitschern, futtern, putzen ihr Gefieder, fliegen, spielen und beschäftigen sich mit ihrem Partner und den anderen Vögeln im Schwarm. In den Nachmittagsstunden halten gesunde Wellensittiche dann üblicherweise einen Mittagsschlaf. Gegen Abend werden sie noch einmal aktiver. Mit Einbruch der Dunkelheit schließlich zum Schlafen zurück.

Kranke Wellensittiche verhalten sich oft, aber nicht immer, anders. Typische Veränderungen im Verhalten sind somit:

  • vermehrtes Schlafen
  • Teilnahmslosigkeit, Apathie, Benommenheit
  • Zittern
  • weniger oder aber gar kein Zwitschern mehr
  • weniger oder aber gar kein Interesse mehr am Partner oder an den anderen Vögeln
  • ungewöhnliche Zutraulichkeit
  • ungewöhnliches Betteln nach Futter
  • schlechte Flugfähigkeit (das heißt, der Wellensittich schafft die Höhe nicht mehr oder stürzt ab)
  • starkes Federrupfen, sodass kahle Stellen am Körper entstehen
  • häufiges Kratzen an der Kloake

Kranke Wellensittiche an der Körperhaltung erkennen

Gesunde Wellensittiche, die wach und munter sind, sitzen aufrecht. Das heißt, ihr Körper bildet vom Kopf bis zum Schwanz eine Linie. Wenn gesunde Wellensittiche schlafen, stellen sie gern ihr Gefieder leicht auf, machen sich rund und ziehen ein Bein ein.

Kranke Wellensittiche haben hingegen oftmals eine andere Körperhaltung, vor allem, wenn sie Schmerzen haben. Typische Anzeichen in diesem Sinne sind:

Wellensittich hängender Flügel Krankheitssymptome
Krankes Wellensittichweibchen mit hängendem Flügel
  • Sitzen mit abgeknicktem Schwanz
  • gekrümmte, unrunde Sitzhaltung mit aufgeplustertem Gefieder
  • ein oder zwei hängende Flügel
  • stark abgespreizte Flügel, obwohl es im Zimmer nicht sehr heiß ist
  • dauerhaftes Einziehen eines Beins
  • Zittern
  • glanzlose, geschlossene oder zusammengekniffene Augen
  • tagsüber stundenlanges Hängen im Käfiggitter

Veränderte Atmung

Gesunde Wellensittiche atmen unauffällig. Nur bei genauem Hinsehen erkennt man, dass sich der Brustkorb hebt und senkt. Gesunde Wellensittiche bewegen beim Atmen den Schnabel nicht und halten die Schwanzfedern ruhig.

Wellensittiche mit Atemproblemen hingegen atmen deutlich sichtbar. Typische Anzeichen sind:

  • Atmen bei geöffnetem Schnabel
  • Atmen mit wippendem Schwanz
  • knackende oder pfeifende Atemgeräusche
  • verstopfte Nasenlöcher
  • tagsüber stundenlanges Hängen im Käfiggitter

Verändertes Futterverhalten

Gesunde Wellensittiche futtern vor allem früh am Morgen und am Abend vor dem Schlafengehen. Tagsüber futtern sie wenig. Gesunde Wellensittiche trinken sehr wenig, das heißt, normalerweise nur morgens und abends einen Schluck Wasser.

Kranke Wellensittiche hingegen haben oftmals ein anderes Futterverhalten. Hinweise auf Krankheiten sind daher:

  • Würgen oder Spucken von Körnern oder Schleim aus dem Kropf
  • viel weniger oder aber viel mehr Futteraufnahme als sonst
  • vermehrtes Trinken
  • vermehrte Aufnahme von Grit oder Vogelsand

Kranke Wellensittiche am Kot erkennen

Der Kot von gesunden Wellensittichen besteht aus dem äußeren dunklen Kotanteil und der klar abgegrenzten weißen Harnsäure in der Mitte. Oft wird der Kot von einer kleinen, nassen und klaren Urinpfütze umgeben. Ein frisches Kotbällchen hat eine cremige Konsistenz und trocknet schnell ab. Wenn ein Wellensittich viel getrunken oder Frischkost gefuttert hat, kann der Kot sich allerdings kurzzeitig so verändern, dass Kotanteil eine andere Farbe hat, die weiße Harnsäure zerläuft und mehr Urin ausgeschieden wird. Nach ein paar Stunden sind die Kotbällchen dann aber wieder dunkel-weiß und cremig-fest.

Gelbe Harnsäure

Bei kranken Wellensittichen hingegen kann der Kot in Farbe und Konsistenz dauerhaft anders aussehen. Schauen Sie sich daher insbesondere den Nachkot Ihrer Vögel an. Auffällig und oftmals ein Hinweis auf Krankheiten sind:

  • ungewöhnlich große Kotbällchen
  • bröckelige Kotbällchen
  • rötlicher, grüner, grauer oder gelblicher Kotanteil
  • flüssiger Kotanteil
  • gelbliche Harnsäure
  • unverdaute Körner oder Frischkost-Reste im Kot
  • große Urinpfützen

Kranke Wellensittiche an der Kloake erkennen

Bei gesunden Wellensittichen ist die Kloake fleischfarben, sauber und trocken. Die umliegenden Federn reichen außerdem bis an den Kloakenbereich heran.

Veränderungen an der Kloake können auf innere Erkrankungen, einen Kloakenvorfall, einen Legedarmvorfall oder eine Legenot hinweisen. Sie müssen deshalb unverzüglich einen vogelkundigen Tierarzt aufsuchen, wenn Sie eines der folgenden Symptome beobachten:

  • mit Kot und/oder Urin verschmierter Kloakenbereich
  • ausgerissene Federn bzw. kahle Stellen um die Kloake herum
  • dunkelgefärbte Kloake
  • geschwollene Kloake
  • nach außen gewölbte Kloake
  • starkes Pressen, ohne dass Kot abgesetzt oder ein Ei gelegt wird

Bitte verlieren Sie keine Zeit, wenn ein Verdacht auf Kloaken- oder Legedarmvorfall oder Legenot besteht. Dies sind lebensbedrohliche Notfälle, die sofort von einem vogelkundigen Tierarzt operiert werden müssen.

Kranke Wellensittiche am Schnabel erkennen

Bei gesunden Wellensittichen ist der Schnabel glatt und glänzend und hat eine gelbliche Grundfarbe. Der genaue Farbton ist bei jedem Wellensittich allerdings ein bisschen anders. Bei gesunden Wellensittichen bleibt die Schnabelfarbe außerdem lebenslang unverändert.

Veränderungen des Schnabels können durch Verletzungen, Krankheiten oder Parasiten entstehen. Typische Symptome sind daher:

  • ein abgebrochenes Schnabelstück
  • ein großer Bluterguss auf dem Schnabel
  • große Absplitterungen des Schnabelhorns
  • wiederkehrende Absplitterungen
  • eine veränderte Schnabelfarbe (Verdunkelung, Blaufärbung)
  • ein poröser und matter Schnabel
  • senkrechte Rillen im Schnabel
  • zu lang wachsender Schnabel

Kleine Blutergüsse und kleine Absplitterungen auf der Schnabeloberfläche sind allerdings normal. Da das Schnabelhorn ständig nachwächst, verschwinden sie von selbst und brauchen deshalb nicht behandelt zu werden.

Krankheitssymptome an der Wachshaut (Nase)

Bei erwachsenen gesunden Wellensittichen ist die Wachshaut der Weibchen braun und die Wachshaut der Männchen blau bzw. bei einigen Farbschlägen rosa. Bei brutigen Weibchen kann die braune Wachshaut allerdings dicke Verhornungen aufweisen. Solange die Nasenlöcher dabei frei bleiben, ist dies aber kein Grund zur Besorgnis.

Krankhafte Veränderungen der Wachshaut können auf Milben, Infektionen und organische bzw. hormonelle Störungen hinweisen, was sie  an folgenden Symptomen erkennen können:

  • Blut an einem oder beiden Nasenlöchern, Nasenbluten
  • zuwachsende Nasenlöcher, Atemnot
  • helle Beläge auf der Wachshaut
  • eine starke gewölbte Wachshaut

Krankheitssymptome an den Beinen und Füßen

Bei gesunden Wellensittichen sind die Beine und die Füße körperwarm (41 Grad Celsius) und haben eine rosa bis graue Grundfarbe. Der genaue Farbton ist bei jedem Wellensittich aber etwas anders.

Veränderungen an den Beinen und Füßen können von Verletzungen, Krankheiten oder Milben stammen. Typisch in diesem Zusammenhang sind deshalb:

  • blutende und nicht blutende Verletzungen
  • Schonhaltung eines Beins
  • gerötete Druckstellen an der Unterseite der Füße
  • wunde Stellen und andere Hautveränderungen an der Oberseite der Füße
  • über einen längeren Zeitraum zu heiße oder zu kalte Füße
  • helle Beläge auf den Beinen bzw. Füßen
  • Knoten an den Beinen bzw. Füßen

Krankheitssymptome am Gefieder

Bei gesunden Wellensittichen ist das Gefieder glatt, glänzend, gepflegt und vollständig. Während der Mauser kann das Gefieder allerdings struppig aussehen.

Veränderungen des Gefieders können auf Nährstoffmängel, Virusinfektionen, organische Krankheiten, Parasiten oder psychische Probleme zurückzuführen sein. Hinweise sind:

  • Federrupfen
  • zu kurze oder lange Federn
  • brüchige Federn
  • ausgefranste Federn
  • quer durch die Federn laufenden Streifen
  • stumpfes Gefieder
  • gewellte oder verdrehte Federn
  • farblich veränderte Federn
  • kahle Stellen im Gefieder
Das Lesen des obigen Textes ersetzt nicht den Besuch beim Tierarzt! Gehen Sie lieber einmal zu viel als einmal zu wenig zum Tierarzt.